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Zwei Brunnen für Chiuno Village

02.07.2018: Komme gerade vom 4. Impftermin. Ein wichtiger Vorbereitungsschritt ist mithin abgeschlossen. Und bald geht es ja auch schon los. Völlig klar, dass Deutschland nicht Fußballweltmeister werden konnte, denn der Senior-Expert-Service in Bonn hatte schon früh unseren Flug auf den Endspieltermin gebucht...

17.07.2018: am Sonntag kamen die Zubringermaschinen nicht. Weder Michel aus Hamburg, noch ich aus Berlin kamen rechtzeitig in München an, um den Anschluß nach Johannesburg zu erwischen. Starkregen in München hatte den Start vermiest. Zwei Tage saßen wir fest, weil aufgrund der Ferien alle Flieger voll sind. Nun soll es heute Abend weitergehen: von München über Rom, Addis Abeba und nach einem Stopover in Ndola zum Zielort Blantyre. Dort steigen wir wieder in die laufende Dispo ein, die Termine bei der GIZ und der Deutschen Botschaft finden dann am Freitag statt.

19.07.2018: So einfach war es nicht mit dem Einstieg in die vorbereitete Reiseplanung, denn unser Gepäck ist nicht mit uns angekommen. Am nächsten Tag ist immerhin Michels Koffer da...meine Reisetasche kommt am Freitag an und wird direkt zum Flughafen in Lilongwe weitergeleitet. Dort kann ich sie dann am Samstag abholen.

Sonntag, den 22.07.2018
Endlich in Kasungu. Wir fahren nach Chiuno Village und treffen die beiden Chiefs, besichtigen die vorbereiteten Grabungen und messen die Tiefen. Dann verabreden wir uns auf den nächsten Tag.

Montag, den 23.07.2018:
Beide Chiefs sind in Festtagskleidung. Nach einem Vorgespräch wird die Gemeinde zusammen gerufen. Die Frauen sitzen uns gegenüber, die Männer bei uns zentral und die Kinder an der Seite.
Die Erwartungen sind groß: seit 1997 warten die Menschen auf einen Tiefbrunnen mit Pumpe und sind immer wieder vertröstet und enttäuscht worden.
Im Dorf wird gestaunt, dass schon kurz nach dem Gespräch Tatsachen geschaffen und eine Menge Material angeliefert sind.

Freitag, den 27.07.2018:
Nachdem am Dienstag und Mittwoch Vormittag noch gegraben wurde, ist am Mittwoch die Aufmauerung mit Ziegeln entstanden. Heute erfolgen die Armierungs- und beginnen die Betonarbeiten. Anschließend muss die Baustelle bis zum Mittwoch ruhen.

Mittwoch, den 01.08.2018
Die Rohre werden zusammengesteckt und die Pumpe wird montiert. Parallel dazu tanzen und singen die Frauen zur Trommel, denn sie freuen sich am meisten: anstatt um zwei Uhr morgens genügt es nun um 6.00h aufzustehen, um Wasser zu holen. Ruckzuck ist die Pumpe montiert und: das Wasser fließt.



Donnerstag, den 02.08.2018
Einweihungsfeier. Hoher Besuch von der District-Commission, die Traditional Authority, andere Hauptchiefs und die des Dorfes. Nachdem die ganze Bevölkerung in der üblichen Gruppenaufteilung Platz genommen hat und einige Tänze zum Gesang der Frauen in die Feierlichkeiten eingestimmt haben, tritt der Dorfpoet auf und liest seine für den Tag verfassten Zeilen von einem (Baum-)Blatt ab. Danach folgen die Reden, ein Chef nach dem anderen, auch die Oberchefin, dann die traditional authority und eine Frau, die alles nochmal kommentiert. Schließlich sind wir an der Reihe. Dann ist der offizielle Teil zu Ende, und der ganze Troß geht zur Baustelle des zweiten noch zu bauenden Brunnens, dann zum fertigen, wo die Honoratioren gerne mal den Pumpenschwengel bedienen. Die Frauen tanzen und singen, einige der Alten zeigen uns große Dankbarkeit.



Freitag, den 03.08.2018
Besprechung mit dem Wasserkomittee über den Bau des zweiten Brunnens. Michel schult im Umgang mit den Werkzeugen, erklärt wie die Pumpe gewartet werden muss und beantwortet Fragen. Sehr beeindruckt sind wir über ein Dankesschreiben an die Spender, das in Chichewa verfasst ist und von Chisomo übersetzt wird.

     
         

Sonntag, den 05.08.2018:
Heute kaufen wir Baumaterial ein, denn gestern stand kein Wagen zur Verfügung. Daher heute mehrere Transporte zwischen dem Baustoffhandel und dem Dorf.
Nachmittags dann ein Ausflug zum nahen Nationalpark. Im Vorbeifahren sehen wir ein Kudu, von der Lodge über den See Antilopen und eine Herde Nilpferde. Die badenden Elefanten haben wir verpasst. Ein Ranger weiß, wo sie hingehen und lässt uns folgen. Ein paar Hundert Meter weiter im angrenzenden Wald sind wir der Elefantenfamilie, die sich von Bäumen und Buschwerk nährt, sehr nah. Beeindruckend und schön!

 

Montag, den 06.08.2018
Das Wasserkomitee ist mit der weiteren Vereinbarung zum zweiten Brunnen einverstanden, die Anwesenden unterschreiben. Am Bohrloch bremst ein großer Stein die Grabung. Wir besorgen stärkere Werkzeuge.

Dienstag, den 07.08.2018
Mit dem Stein sind die Brunnenbauer weiter, aber es geht langsam. Ein Chief läßt mir einen kleinen Jungen zeigen. Der Zweijährige hat schreckliche Brandwunden. Er ist umgefallen und hat sich ins Feuer gesetzt. Ihm fehlen Handballen große Hautstücke über mehrere Schichten, an zwei Stellen nässen die Wunden. Ich entschließe mich, den Jungen ins Krankenhaus bringen zu lassen.



Mittwoch, den 08.08.2018
Wir holen die Mutter mit dem kleinen Jungen. Der Arzt sieht sich die Wunden an, misst die Temperatur und macht einige Tests. Dann bekommt der Junge die Wunden gesäubert, eine Antibiotikaspritze und weitere Medikamente. Die Wundbehandlung muss nun täglich über fünf oder sieben Tage erfolgen. Wir bringen Mutter und Kind ins Dorf und laden einen anderen Jungen mit Brandverletzungen ein. Sein Kopf ist total verschorft, aufgebeulte und aufgeplatzte Wunden bluten, Fliegen setzen sich hinein. Der Arzt nimmt wieder Blut, dann zur Wundsäuberung. Die Wunden sind septisch. Durch den Schorf, die eingeklebten Haare und die offenen Stellen wundern wir uns nicht, den kleinen Jungen weinen zu hören. Morgen möchte ich auch die Tochter von M. K., die an Anämie leiden soll, dem Arzt vorstellen. Die Brunnenbauer kämpfen mit dem Stein.



Donnerstag, den 09.08.2018
Wir fahren zu Mayi Gundani, der Traditional Authority, die wir im Dorf bei der Brunneneinweihung kennengelernt haben. Wir bitten sie um kurzfristige Unterstützung für einen Termin beim Senior TA Kaomba. Chisomo ist erstaunt, dass sie seine Telefonnummer herausgibt, ich soll ihn später anrufen. Er ist im Kasungu-Inn bei einem Meeting. Wir fahren hin. Es ist ein Kongress, viele Leute an Tischen im Garten. Dann steht er vor mir: ein verbindlicher, zugewandter und würdevoller Mann, der an Nelson Mandela erinnert. Er führt mich nach draußen, wo wir Platz nehmen und kurz reden. Ein sehr herzliches Gespräch, durch das ich mich geehrt fühle.


Freitag, den 10.08.2018
Die erste Fahrt geht zur Klinik, wo ich die Frauen begrüße, die täglich mit ihren Kindern zur Behandlung kommen müssen. Josephs Kopf sieht schon merklich besser aus. Endlich erhalten wir auch das zweite Pumpen-Equipment vollständig und bringen es, begleitet von begeisterten Kindern, ins Dorf. Die Chiefs nehmen es in Empfang. Dann ist der Moment für den Abschied da, für mich eine ergreifende Situation. Um 13.01h sind wir on the road und ca. 15.30h in Lilongwe.



Samstag, den 11.08.2018
Chisomo kommt zum Frühstück ins Hotel. Zur Fertigstellung des zweiten Brunnens und die weitere gemeinsame Projektarbeit überlasse ich ihm meinen Laptop. Am Flughafen verabschieden wir uns herzlich. Pünktlicher Abflug, winterlich kalt ist es in Johannesburg. Auch von dort geht es pünktlich weiter, auch die Ankunft und der nächste Flug nach Berlin. Absolut pünktlich landen wir, und auch mein Gepäck kommt mit an. Die Reise endet am Sonntag morgen, den 12. August 2018.

Wir sind mit dem Anspruch gefahren zwei Brunnen zu bauen und in der kurzen Zeit mindestens einen zu schaffen. Nun wird der zweite nach unserer Abreise fertig, indem wir auf einen Mitarbeiter setzen, der uns sehr unterstützt hat und die Fertigstellung des zweiten bewerkstelligen soll. Die Menschen im Dorf vertrauen uns, und wir vertrauen ihnen. Sie wollen mehr tun, identifizieren sich mit dem Projekt zur Selbsthilfe und begründen nun eine CBO (Community based Organisation) mit einer dem gemeinnützigen Verein ähnlichen Rechtsstruktur. So kann der weitere Projektabschnitt in Angriff genommen werden. Wir wollen wieder kommen, und die Menschen in Chiuno Village wollen, dass wir dies auch tun. Dafür sammeln wir Spenden, um auf einem bereit stehenden Grundstück eine Schule und einen Kindergarten, ein Ausbildungs- und Kulturzentrum zu realisieren.


Und hier den Reisebericht als Video (37 min)



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